Nachtrag: Text zu den Fotos Hochgrat-Skirallye (DE)
DAV Skitourencup: Steurer und Gruber siegen am Hochgrat und werden neue deutsche Meister im Single
Was für ein Paradewetter am Hochgrat: Nach dem Nebelrennen im vergangenen Jahr warteten zur 6. Auflage der Hochgrat-Skirallye wieder perfekte Fernsicht bis hinüber zum Säntis und insgesamt gute Bedingungen auf der Strecke – auch wenn der Wind die Tage zuvor noch ein wenig von der Schneedecke geraubt hatte und den einen oder anderen Stein zum Vorschein brachte. Knapp 80 Läufer wollten bei der dritten Station des DAV Skitourencups dabei sein – darunter auch etliche Vorarlberger, denn das Rennen gehörte erstmalig auch zum Vorarlberger Skitourencup.
Zudem wurden in diesem Jahr die deutschen Meisterehren in der Disziplin Single am Hochgrat vergeben. Auf der langen Strecke waren für die Läufer 1600Hm zu bewältigen, die Kurzstrecke führte mit 1000Hm einmal zum Hochgratgipfel und wieder zurück zur Talstation.
Steurer nicht zu bremsen
Nach dem Startschuss entbrannte bei den Herren gleich der übliche Positionskampf – allen voran Lokalmatador Toni Steurer (SC Thalkirchdorf), der sich nach einem Jahr Wettkampfpause nun wieder in alter Form zurückgemeldet hat. Ihm auf den Fersen folgten Youngster Sepp Rottmoser (Rosenheim) und Konrad Lex (Peiting). Bis zur Tragepassage am Staufner Haus konnte Steurer dann seinen Vorsprung auf die Verfolger auf eine gute Minute ausbauen und auch in der folgenden Abfahrt kamen weder Rottmoser noch Lex an den exzellenten Skifahrer Steurer heran. Die Abfahrtsstrecke führte über weite Teile über die Piste, da es im Gelände an etlichen Stellen für ein Rennen zu wenig Schnee hatte. Allzu viele Schwünge machte Steurer bei seiner Abfahrt sowieso nicht – hier konnte er weitere Zeit auf seine Konkurrenten gutmachen. Drei Jahre zuvor hatte er noch an gleicher Stelle bei ähnlichen Verhältnissen zu viel riskiert und einen Handgelenksbruch nach einem wilden Sturz auf der Piste davon getragen. Diesmal lief es aber sturzfrei für Steurer und so konnte er sich in der flachen zweiten Runde noch deutlicher von Sepp Rottmoser absetzen, der nun seinerseits Konrad Lex distanzieren konnte. Lex kam nach eigener Aussage an diesem Tag einfach nicht richtig in die Gänge – vielleicht steckte ihm noch die Deutsche Vertical - Meisterschaft am Goldeck (AUT) eine Woche zuvor, die er trotz starker Erkältung hatte gewinnen können, in den Knochen. So gab es dann für Toni Steurer einen Start-Ziel-Sieg in neuer Streckenrekordzeit (1:39:20h), eine Minute vor Sepp Rottmoser. Konrad Lex musste dann doch etwas Tribut zollen – er folgte in 1:44:31 auf Rang drei. Das waren dann auch die drei Herren auf dem deutschen Meisterschafts-Podium, ihnen folgte Andi Strobel (Selb) in 1:48:04 auf Rang vier vor Maximilian Seebeck (1:50:57). Mit seinem souveränen Sieg empfiehlt sich Steurer auch für weitere internationale Einsätze – am kommenden Wochenende hat er beim Weltcup in Tambre erstmals nach seiner Wettkampfpause Gelegenheit, wieder im internationalen Geschehen ein Wörtchen mitzureden.
Einmal mehr: Barbara Gruber…
Bei den Damen gab es am Hochgrat zumindest in Sachen Tagessieg und Meistertitel keine Überraschungen: Barbara Gruber (Team Alpenstoff) lief in 2:03:51 einmal mehr einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen und bleibt damit bei den DAV Cuprennen seit fünf Jahren ungeschlagen – ihre Meistertitelsammlung ist schon seit längerem zweistellig – eine beachtliche Bilanz! Hinter Gruber wurde es aber noch einmal richtig spannend: Hatten die Zuschauer doch damit gerechnet, dass Grubers Teamkollegin Judith Grassl sicher auf den zweiten Platz laufen würde, so mussten sie sich nach der Tragepassage am Hochgrat erstaunt die Augen reiben: Susi von Borstel (TV Immenstadt) hatte eine gute Minute Vorsprung auf Grassl, die sie auch in die folgende Abfahrt mitnahm. In der zweiten Runde hatte dann allerdings die erfahrene Alpenstoff-Frau die größeren Reserven und konnte trotz der ungeliebten Flachpassagen von Borstel überholen und am Ende doch um knapp eine Minute distanzieren. Nichtsdestotrotz freute sich Susi von Borstel nach einer starken Leistung über einen verdienten dritten Platz in der DM-Wertung. Auf Rang vier lief die Miesbacherin Anna Mühlhuber (2:25:26h) vor Alex Kohler (Weiler, 2:27:16h).
Reiter und Gröbner holen die Jugendtitel
Auch die Jugendlichen ermittelten auf der Kurzstrecke ihre Meister: In Abwesenheit von Doppelweltmeister Toni Palzer war bei der männlichen Jugend fast schon im Vorfeld klar, dass Philipp Reiter (Bad Reichenhall) das Rennen machen würde. Der aktuell in der Jugendweltcupgesamtwertung Zweitplatzierte lief ein starkes Rennen und kam kurz nach den Führenden der Langstrecke Steurer und Rottmoser zum Hochgratgipfel. In 58:22min gewann er den Jugendmeistertitel ungefährdet vor Johannes Schmieger (SC Immenstadt), 1:03:25h und Jonas Schlachter (Weiler, 1:04:39h). Bei den Mädels konnte Nationalkader-Neuzugang Franziska Gröbner (Traunstein) ihren ersten Meistertitel erlaufen. Sie benötigte 1:22:55h für die 1000Hm, Zweite wurde ihre Kaderkollegin Katharina Stöger (Berchtesgaden, 1:30:18) vor Tessa Wötzel (Oberstaufen-Lindenberg, 1:54:09h).
Auch mit knapp 80 kann man noch bei Skitourenrennen antreten
Und was wäre die Hochgrat-Skirallye ohne den wohl ältesten aktiven Skitourenrennläufer der Welt: Mit bald 80 Jahren tritt Adolf Dempfle immer noch jedes Jahr auf der Kurzstrecke an – der Vollblut-Alpinist ist ein Paradebeispiel dafür, dass Bergluft einfach jung hält. Wie alle Altersklassensieger konnte auch er sich vom vollgepackten Gabentisch der Rennsponsoren einen Preis aussuchen – und tritt hoffentlich auch in den nächsten Jahren wieder zur Hochgratrallye an. Aber nicht nur der Gabentisch mit den Preisen war bestens bestückt: Einmal mehr hatte das OK-Team der DAV Sektion Oberstaufen-Lindenberg um OK-Chef Christian Bleyle den Läufern eine hervorragende Veranstaltung geboten. Vor allem Streckenchef Jürgen Philipp hatte mit seinem Team angesichts der Verhältnisse die bestmögliche Strecke am Hochgrat ausgesteckt – das Lob kam vor allem auch von Hochgrat-Neulingen wie den zahlreich anwesenden Vorarlberger Rennläufern. Fast 50 Streckenposten und Helfer sorgten dann am Renntag für die Sicherheit und das leibliche Wohl der Teilnehmer.
Gruber gewinnt vorzeitig DAV Skitourencup-Gesamtwertung, Rennen bei den Herren noch offen
Nach drei von vier Rennen des DAV Skitourencups ist bei den Herren noch alles offen – hier führt aktuell Konrad Lex von Andreas Strobel und Toni Steurer (ein Rennen weniger). Bei den Damen ist hingegen schon nach drei Rennen alles entschieden: Barbara Gruber ist mit drei Siegen in drei Rennen nicht mehr einzuholen – sie gewinnt auch 2011 wieder den DAV Skitourencup. Nur auf den Plätzen zwei und drei kann das letzte Rennen (Jennerstier am 12.3.) bei den Damen noch eine Veränderung herbeiführen: Aktuell liegt Anna Mühlhuber vor den gleichplatzierten Judith Grassl und Lydia Prugger (AUT).
Ergebnisliste und alle Altersklassensieger/-platzierten der Hochgratrallye unter www.skirallye.de
Rennvideo und weitere Bilder beim DAV Medienpartner skiinfo.de

